Bot or not – ein Eventbesuch

Die Bekämpfung von Fraud gehört aktuell neben Adblocking zu den wichtigen Herausforderungen in der Onlinewerbung. Entsprechend gross war das Interesse am Event Bot or not, den Adello organisiert hatte. Auch Mediaschneider und Hoy waren zahlreich vertreten.
Wir treffen im Bogen D ein und ergattern gerade noch die letzten Sitzplätze, dann begrüsst auch schon Sandor Laczko von Adello das Publikum und leitet zum ersten Programmpunkt über:

Candid Wüest von Symantec spricht zu: Weshalb wir das Gefahrenpotential von Ad Fraud unterschätzen? Unsere Spezialisten haben auf technische Details und neue Erkenntnisse sowie spannende Einblicke in die Arbeit des Security Engineers gehofft. Er beschränkt sich aber auf die Feststellung, dass Bots seit Jahren existieren, Milliardenbeträge umgesetzt werden und die Verfolgung schwierig ist. Wir von Mediaschneider und Hoy hatten uns definitiv mehr versprochen.

Marc Sele, der bei WEMF arbeitet, hält den zweiten Vortrag. Sein Thema: Wo steht die AdViewability Messung in der Schweiz und International? Die Viewability Messung und die Erkennung von Fraud gehen Hand in Hand. Versteckte Banner können beispielsweise an ungewohnten Platzierungen oder der Framegrössen erkannt werden. Die Schwierigkeiten sind: Es gibt verschiedene Messsysteme, auch einfache Viewability Messungen liegen weit auseinander und die Industrie kann sich nicht auf einen Standard einigen.

Die WEMF beabsichtigt, diese Hindernisse zu beseitigen und verschiedene Systeme vergleichbar zu machen. Gemeinsam mit dem ABC (Audit Bureau of Circulations in Grossbritannien) bieten sie zwei Zertifizierungen an: eine für die Viewability Messung und eine für Content Verifizierung.

Auf Nachfrage muss Marc Sele eingestehen, dass sie in der Schweiz noch keinen Anbieter zertifizieren konnten. Vorausschauend hat er das Logo von Adello trotzdem schon neben die Grossen der Branche gesetzt. Einer davon ist Integral Ad Science, der Sicherheitspartner von Hoy. Die Ergebnisse der Zertifizierungen des ABC können hier eingesehen werden.

Mark Forster, CEO von Adello, spricht als nächstes zu: Valide und visible Mobile Ads: AdCTRL Defender machts möglich. Mark Forster erklärt, wie sich sein Produkt über die Jahre entwickelt hat und welche Daten dabei angefallen sind. Es lag also nahe, diese Daten neben der Kampagnen-Optimierung auch für die Fraud-Erkennung einzusetzen.

Zur Freude unserer Techies geht Mark Forster kurz auf einige Details ein. Zum Beispiel: Wie Bots auf „Heatmaps“ von Menschen unterschieden werden oder was im programmatischen Einkauf innert Millisekunden geschieht. Big Data ist heute nicht mehr das Problem, schwierig ist die rasche Verarbeitung. Adello möchte das mit dem AdCTRL Defender lösen, einer Eigenentwicklung für Real Time Analytics im Mobile Advertising. Gemäss eigener Aussage kann sie Fraud zuverlässig erkennen. Weitere Geheimnisse werden aber auch bei der Demo nicht verraten. Man muss sich auf die Angaben der Anbieter verlassen oder diese überprüfen.

Den Abschluss des Events bildet eine Podiumsdiskussion: Lennart Hintz (MediaCom), Silvan Merki (PostFinance), Remo Baumeler (audienzz AG) und die drei Referenten diskutieren über die Gefahren in der Schweiz und die Probleme in der Branche.

Bei den Gefahren sind sich alle einig: Bots sind in der Schweiz derzeit kein gravierendes Problem. Das deckt sich übrigens auch mit den Untersuchungen von Hoy und Integral Ad Science. Im Dezember 2016 haben wir die Situation in der Schweiz letztmals geprüft und keine grösseren Probleme mit Bots festgestellt.

Anders sieht es jedoch aus, wenn man programmatisch in offenem Inventar einkauft. Hoy setzt dabei immer auf die Verifizierung durch Integral Ad Science.

Für die fehlenden Standards bei der Viewability Messung finden auch das Podium keine Lösung. Klar ist, die Entwicklung kostet viel Geld und braucht Zeit. Die Podiumsteilnehmer schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu und hoffen letztlich alle auf die internationalen Verbände. Für ein (fast) grenzenloses Medium macht das ja eigentlich auch Sinn.

Klar ist, solange soviel Geld im Spiel ist, bleibt Fraud attraktiv. Dem können wir nur gemeinsam entgegen treten. Und wenn die Veranstaltung eines deutlich gemacht hat, dann ist es das gesteigerte Bewusstsein in der Werbebranche für diese Herausforderung.

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