Forschung

Corona hat fast keinen Einfluss auf die Leserzahlen des Printmarktes: MACH Basic 2021-1

Die Corona Krise dauert weiter an und zerrt an den Kräften so mancher Medienunternehmen. Was die Krise für den Printmarkt bedeutet und wer die grossen Gewinner und Verlierer sind, erfahren Sie hier.

Die Publikation der WEMF 2021-1 ist eine ganz besondere: Interviews von April bis Juni 2020 wurden bewusst in der Studie nicht berücksichtigt. Dies, weil sich die Schweiz zu diesem Zeitpunkt in der ausserordentlichen Lage befand und viele Printtitel nur unregelmässig erschienen oder teils ganz unterbrochen wurden. So soll sichergestellt werden, dass “keine ausserordentlichen Effekte in die Ergebnisse einfliessen”, wie die WEMF mitteilt. Zusätzlich wird die Total-Audience-Studie die letzte sein in dieser Form, da NET-Metrix den Betrieb per Ende 2020 eingestellt hat.

Zunächst die schlechten Nachrichten gleich vorneweg: Die Print-Leserschaft über fast alle Titel nimmt weiterhin ab, wie die Daten der MACH Basic 21-1 deutlich zeigen. Daran vermag auch Corona nichts zu ändern. Dass die Situation aber nicht ganz so dramatisch ist, wie es scheint, zeigen die Zahlen der Total-Audience 2021-1, bei denen auch die Onlinenutzung der Newsportale miteinbezogen werden.

So ergeben sich Historische Änderungen bei der Nutzung des Tages Anzeigers. Die Zahlen der Doppelnutzer zeigen, beim Tages Anzeiger haben die Onlinenutzer die exklusiven Printnutzer überholt. Neu lesen 30 Tausend Nutzer mehr den Titel über die digitalen Plattformen im Gegensatz zu den 305 Tausend Printlesern, die damit im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken sind.

Auch 20 Minuten DCH, ein weiterer Titel aus der Tamedia-Familie, weist ein ähnliches Bild auf. Während von den reinen Print-Lesern 60 Tausend verloren gingen (2020: 951 Tausend vs. 2021: 891 Tausend), konnten die User im Netz um 80 Tausend erhöht werden. Dies führt dazu, dass 20 Minuten mit einer historischen Reichweite durchaus zu den Gewinnern gehört. Auf die gesamte Schweiz gesehen erreicht 20 Minuten erstmals über 3 Millionen Nutzer.

Wie sich ein Ausgleich zwischen Print und Online neu einpendeln kann, wird bei den Zahlen von Blick deutlich. Seit 2013 hat die Zeitung rund 48% der Leser verloren, der TKP steigt kontinuierlich an. Doch auch hier relativiert sich das Bild, wenn man die Onlinenutzer dazu nimmt. Nachdem bei der Blickgruppe 2019 die gedruckte Ausgabe von Blick am Abend weggefallen ist, war die tiefere Reichweite absehbar. Mittlerweile konnten die Onlinetitel aber wieder aufholen und die Einbussen durch Blick am Abend und Print im Allgemeinen beinahe ausgleichen. Man darf gespannt sein, wie sich Blick nach dem Rebranding von Anfang April weiterentwickeln wird. Auch die neue Präsenz in der W-CH wird die Zahlen stark verändern. Und schon bald könnten damit die 2 Millionen Nutzer erreicht werden.

Die Schweizer Familie stoppt als einziges Magazin die Talfahrt bei den Publikumszeitschriften und gewinnt leicht an Lesern zurück, neu 523 Tausend Leserinnen und Leser. Alle anderen Titel aus der Rubrik der Publikumszeitschriften verlieren hingegen an Leserinnen und Lesern und zeigen dabei deutliche Signifikanzen wie die Schweizer Illustrierte, neu 443 Tausend Leserinnen und Leser -11%, die Landliebe neu 616 Tausend Leserinnen und Leser -8% und die Illustré, neu mit 256 Tausend Leserinnen und Leser -9%.

Auch bei den Frauenzeitschriften lichtet sich nach und nach das Angebot auf dem Schweizer Markt. Zusammen mit dem Leserschwund verschwinden auch immer mehr Frauenzeitschriften. Und die, die noch existieren, verlieren weiterhin täglich an Leserinnen und Lesern. Beispiel Annabelle, welche vor nicht allzu langer Zeit den Besitzer gewechselt hat und im Ganzjahresvergleich sehr stark signifikant ist und mit einem starken Leserschwund von fast 25% in einem Jahr umgehen muss. Neu hat diese darum nur noch 150 Tausend Leserinnen und Leser.

Gab es mal in der D-CH ein Überangebot an Magazinen für Werbende und auch Leserinnen und Leser, sind es bald nur noch eine Handvoll Titel und es werden immer weniger.

Dass Kochen während einer Zeit, in der Restaurants geschlossen sind, besonders wichtig ist, konnte man sich denken. Während die meisten Titel aber stagnieren oder sogar leicht rückläufig sind, erreicht Migusto mittlerweile über 1 Mio. Leser im Print. Mit Online zusammen sind es sogar 1.1 Mio. Dies nicht zuletzt wegen der Erhöhung der Auflage. Migusto ist so in allen Sprachregionen der Taktgeber bei den Kochzeitschriften.

Bei Wohntiteln hingegen zeigt sich ein anderes Bild. Auch hier hätte man annehmen können, dass mehr Leser erreicht werden können, da die Leute oft zu Hause sind und sie darum ihr Heim gemütlich einrichten wollen. Die Leser nehmen aber ab oder stagnieren.

Die Art, wie wir Inhalte von Zeitungen und Magazinen konsumieren, ändert sich also weiterhin. Immer mehr kommen weg von gedruckten Titeln und verlagern die Nutzung ins schnelllebige Internet, wo es rund um die Uhr die aktuellsten Informationen fast gratis und zu jedem erdenklichen Thema gibt. Dieser Trend wird sich auch weiterhin fortsetzen. Es bleibt abzuwarten, welche Titel den Sprung in die digitale Welt (weiterhin) meistern und welche sich damit eher schwertun.

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